Ausstellungskatalog zum Skulpturenweg

 

Ausstellungskatalog zum Skulpturenweg
in Kaufbeuren 2008

ISBN 978-3-98112-265-7
Preis: als Katalog € 9,50,  als Broschüre € 5,00

Ein Auszug aus dem Vorwort von Adelheid Weigl-Gosse

Liebe Gäste! Die Krankenhausseelsorge als Initiatorin eines großen Kunstprojektes: Kunst am Skulpturenweg, Kunst bei der Hausausstellung „Wort im Bild" - das ist nicht selbstverständlich und alltäglich. Einiges ist schon gesagt worden zur Kooperation zwischen Stadt und Bezirk, zu Person und Werk von Rudl Endriß, zum Beitrag der Kunsttherapie in der Psychiatrie. Deshalb möchte ich auf die Zusammengehörigkeit von Kirche und Kunst eingehen:

Kunst und Kirche

Kürzlich ging eine Gruppe aus dem BKH an den Kunstwerken vorbei. Einer deutete auf eine Skulpturengruppe und maulte: Das hätten die sich sparen können; das Geld, das da ausgegeben wird, hätten sie besser uns geben sollen, zum Essen. Dazu fällt mir der Spruch Jesu aus dem Neuen Testament ein: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein... Aber von was noch? Die Kirche hat über Jahrhunderte Kunst in ihre Kirchenräume geholt. Denn der Mensch, ist auch angewiesen auf das Schöne, auf die Erhebung, auf Austausch. Denn der Mensch lebt auch vom guten Gespräch, von der Anregung, die weiter trägt und dem Leben evtl. eine neue Wendung geben kann. Der Mensch, der vom Brot allein lebt, lebt nur im Vordergrund der Wirklichkeit, im Vordergründigen. Den Lebensreichtum, der sich auftut in Natur und Kunst, im Gespräch und Gottesdienst, hat er noch nicht begriffen. Leben ist mehr, weil wir Menschen mehr sind als nur Brotesser. Wenn heute in Zeitungen kritisiert wird, dass Einrichtungen „nur" eine satt-sauber-Versorgung bieten, dann setzen sie hier genau den Hebel ihrer Kritik an: Um dem Geheimnis, der Größe und Würde des Menschen gerecht zu werden, bedarf es Zuwendung und Zeit, Gespräch und Anregung, und eben auch der Kunst und Kultur. Im zweiten Vatikanischen Konzil bewertet die Kirche Kunst daher als wichtig: Sie sagt, dass die Kunst eine eigentümliche Sprache sei, die Elend und Freude des Menschen darstellt, ein besseres Los erahnen lässt oder die Fähigkeit besitzt die Seele zu erheben, und so Anerkennung verdient. (Vgl. 2. Vat., GS Nr. 62) Kunst spricht die Sprache der Zeit, deutet auf diese Weise die Zeit und gestaltet dadurch Zeitgeschichte mit. Insofern sollte die Kirche, die die Zeichen der Zeit zu deuten hat, auch die Sprache der Kunst zu deuten verstehen. Deshalb sollte Kirche keinen Bogen um die zeitgenössische Kunst machen, sondern sie als Brücke zu ihren Zeitgenossen nutzen. Dieser Aufgabe haben wir uns in dem Projekt „gemeinsam unterwegs" gestellt. Moderne Kunst durchbricht Denk- und Sehgewohnheiten und verschafft so einen neuen Zugang zur eigentlichen, tieferen Wirklichkeit. So möchte ich übermorgen, am Sonntag im Gottesdienst in der Thomaskirche um 8.30 Uhr in der Ansprache das Kunstwerk von Rudl Endriß, das Schlüsselwerk des Skulpturenpfades „das Wort" „ist Würde" umkreisen und seine Vielschichtigkeit zum Klingen bringen.

Kunst und Kreativität

Wenn wir das Wort Kunst hören, dann denken wir normalerweise eher an das fertige Produkt, das Kunstwerk. Ganz wesentlich gehört zur Kunst allerdings der Prozess, der kreative Akt. Papst Johannes Paul II. hat in einem Brief an die Künstler hervorgehoben : Im künstlerischen Schaffen hat der Künstler Anteil - bei allem Abstand - an Gottes Schöpfertum. Ein wunderbarer Leitgedanke für alle Kunstschaffenden, sei es im Milieu der Ateliers oder im therapeutischen Umfeld. Kunst ist also nicht erst dann wertvoll, wenn am Ende ein Werk oder gar ein Skulpturenweg entstanden ist, sondern der Prozess des Schaffens ist das erste Geschenk der Kunst. Dieser kreative Prozess ist deshalb so wertvoll, weil in ihm die Möglichkeit liegt Gewohnheiten zu verändern.Eines der Werke in der Hausausstellung ist in einer über einjährigen Zusammenarbeit mit einem Patienten entstanden. Sein Problem ist die aktive Selbstentmutigung und Abwertung: Ich kann das nicht. Was ich mache ist nichts. Immer wieder musste er unterstützt werden weiter zu machen. Als sein Werk fertig war, staunte er. Plötzlich war ein neues Wort da, ein neues Denken: Er sagte: Das ist aber gelungen!!! Über den kreativen Prozess ist etwas in Gang gekommen, ein Umdenken über sich selber. Bei der Hausausstellung „Wort im Bild" sind Mitarbeitende und Patienten schöpferisch tätig geworden. Beim Erstellen der CD „gemeinsam unterwegs", die heute der Öffentlichkeit zum Verkauf angeboten wird, sind Mitarbeitende, Patienten und der Autorenkreis Allgäu kreativ geworden. Danke für alle Mitwirkung!

Kunst und Kommunikation

Gemeinschaft, Teilnahme untereinander und mit Gott ist der Kern jeder gottesdienstlichen Feier. Es ist schön, dass in St. Thomas, der Klinikkirche am Bezirkskrankenhaus Wochenende für Wochenende diese Gemeinschaft gefeiert wird, im Miteinander von Kranken und Gesunden. Über diesen traditionellen Kreis der Gemeinde und Gemeinschaft ist das Kunstprojekt „gemeinsam unterwegs" in der Vorbereitung hinaus gegangen. Herr Dr. Michael von Cranach, Herr Bezirkstagspräsident Reichert und Herr OB Bosse haben zu einem sehr frühen Zeitpunkt das Projekt durch ihr Interesse und durch Zusagen unterstützt. Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Bosse haben für das Projekt zur organisatorischen Durchführung Herrn Pietsch beauftragt, der für die Stadt zuständig ist für Kultur- und Projektförderung. Die Zusammenarbeit mit Ihnen lieber Herr Pietsch und mit Ihnen, liebe Frau Schmölz hat mir große Freude gemacht, weil sie professionell, fl ott, zuverlässig und in kritischen Situationen nervenstark kooperiert haben. Ihnen allen ein herzliches Danke! Viel Arbeit und Kommunikation war notwendig um das Projekt durchzuführen: Der Bezirk mit der Pressestelle, die Stadt und der Bauhof, Transportunternehmen und Sponsoren, die Verwaltung unseres Hauses, in der Person von Ihnen, sehr geehrter Herr Bradel, Ergo- und Kunsttherapeuten, Künstler, Patienten und der Autorenkreis Allgäu, Gärtnerei, Service-Center, sie alle haben sich beteiligt und waren gemeinsam unterwegs. Gelegentlich hat es dabei die Kunst der Kommunikation gebraucht, um Projektflüchtlinge wieder ins Boot zurück zu holen und um Ausdauer und um Toleranz zu bitten. Kunst braucht Kommunikation. Kunst ermöglicht aber auch Kommunikation. Wir können jetzt immer wieder erleben, dass Besucher über die Werke von Rudl Endriß ins Gespräch kommen. Mögen es gute Gespräche sein,die teilhaben lassen am Leben und an den Ideen der Gesprächspartner, die angeregt werden von den Werken von Rudl Endriß. Kunst und Rudl Endriß. Stets hat die Kirche besondere Personen als Vorbilder verehrt. Ich möchte hier jetzt keinen Personenkult um Herrn Rudl Endriß lostreten oder ihn hinterrücks in den Stand der Heiligkeit erheben. Wenn Sie, lieber Rudl Endriß, allerdings eine Torte wäre, dann würde ich mir gerne drei Stücke abschneiden,nämlich ihre Disziplin, ihre Kreativität und ihre geradlinige Gelassenheit. Sie haben nach Ihrem Schlaganfall weiter gemacht. Sie haben ihre Werkstatt auf links umgerüstet. Sie haben zu einem neuen Stil gefunden. Aus unserer Zusammenarbeit nehme ich diese Bilder von gelassener Stärke mit. Sie kennen gelernt zu haben ist ein Reichtum. Ich freue mich, dass ich heute diesen Reichtum mit vielen teilen darf.

Presseinfo der Stadt Kaufbeuren zum Ausstellungskatalog

Ein Reisefuehrer für den Skulpturenpfad

Zum Skulpturenpfad "gemeinsam unterwegs" liegt nun ein Katalog vor Seit fast einem Jahr verbinden nun die „Schriftsteine" des bei Rosenheim lebenden Künstlers Rudl Endriß das Bezirkskrankenhaus mit der Altstadt Kaufbeuren. Zu diesem Skulpturenweg ist nun ein Katalog erschienen, der in Text und zahlreichen Abbildungen einen starken Eindruck vom Gesamtprojekt vermittelt, das Bezirkskrankenhaus und Stadt Kaufbeuren getragen und verantwortet haben.

Der Katalog teilt sich in zwei Hälften: Zum einen befasst er sich ausführlich mit den Skulpturen des Künstlers Rudl Endriß. Ein Stadtplan weist den Weg zu den Kunstwerken. Fotoleisten dokumentieren Aufbauarbeiten, Vernissage und Begleitveranstaltungen. Die informativen Ansprachen der Eröffnungsveranstaltung im ersten Teil des Kataloges, erläutern das Gesamtprojekt, geben Hinweise zu den Kunstwerken von Rudl Endriß, zur Kunst im öffentlichen Raum, Kunst und Therapie, sowie Kunst und Kirche.

Der zweite Teil des Kataloges widmet sich der Kunstausstellung "Wort im Bild", die von Mai bis Dezember 2007 Kunstwerke von Mitarbeitenden und Patienten im Bezirkskrankenhaus zeigte. Auf dreizehn vierfarbigen Seiten präsentiert das Buch die Vielfalt des dortigen künstlerischen Schaffens in unterschiedlichen Motiven, Formaten und Techniken.

Adelheid Weigl-Gosse, Herausgeberin des Kataloges, arbeitet als Pastoralreferentin am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren. Sie war Initiatorin des Projektes, hatte den Kontakt zum Künstler hergestellt, das Vorhaben vor Ort konzipiert, sowie die CD „gemeinsam unterwegs" und den gleichnamigen Katalog herausgegeben.

Der Katalog "gemeinsam unterwegs" ist an der Pforte des Bezirkskrankenhauses und bei Freitags Bücherinsel erhältlich. Erschienen ist er im Verlag "Künstlernische", der bereits das Hörbuch „gemeinsam unterwegs" mit Musik und Texten von Mitarbeitenden am BKH, Patienten und dem Autorenkreis Allgäu herausgebracht hat. Auch das Hörbuch liegt bei Freitags Bücherinsel auf.